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Hochkarätiges Symposium begeisterte Publikum

BM Dr. Wolfgang Schäuble bei Bürgerstiftung Rheinviertel

Aus Anlass ihres 10-jährigen Bestehens veranstaltete die Bürgerstiftung Rheinviertel am Dienstag, dem 17. November 2015, zusammen mit der Deutschen Telekom das Symposium „Neue Zivilgesellschaft – Mit Einander Gestalten“.

Redner der Veranstaltung waren Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, der ehemalige Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio und Telekom-Chef, Timotheus Höttges, sowie der Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan.

Dechant Dr. Wolfgang Picken, Gründer und Vorsitzender der Bürgerstiftung Rheinviertel begrüßte die 500 geladenen Gäste und führte in die Themenstellung des Symposiums ein. „Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir haben die Wahl zwischen dem Abbruch der alten Zivilgesellschaft oder dem Aufbau der neuen Zivilgesellschaft, zwischen Geschehen lassen oder Miteinander gestalten“, so der Stiftungsvorsitzende. Dabei hob er hervor, dass sich die Bürgerstiftung Rheinviertel im Rückblick auf die zehn Jahre ihres Bestehens als Praxisbeweis für die Idee einer neuen Zivilgesellschaft sehe. Entscheidend für das Entstehen neuer Formen des Zusammenhalts und der Solidarität sei die Maxime: „Wir machen das!“ und das Vertrauen in die „Gabe zu geben“ der Bürger.

Prof. Dr. Udo Di Fabio stellte seinen Beitrag zum Symposium unter den Titel: „Die Verfassung der Neuen Zivilgesellschaft“. Er verdeutlichte, wie sich der Begriff der Zivilgesellschaft im Verständnis von Recht und Politik verändert hat. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter hob hervor, dass die „Neue Zivilgesellschaft“ angesichts gravierender Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge das Miteinander von Staat und Gesellschaft bei der Wahrnehmung sozialer Verantwortung fordere. Dabei sei die „Neue Zivilgesellschaft“ nicht zuerst politisch motiviert, sondern ziele auf das Individuum mit seinen Nöten. Di Fabio hob hervor, dass die Bürgerstiftung Rheinviertel als gelungenes Beispiel für die neue Zivilgesellschaft gelten dürfe. Sie sei angetreten, Lücken zu schließen, die durch den Schwund traditioneller Gruppierungen entstanden seien. Es sei faszinierend, wie über diese Art der Lückenbeseitigung ein sichtbarer Mehrwert für die Bürger entstanden sei. Die Bürgerstiftung Rheinviertel verstünde sich als ein Kooperationspartner von Staat und Gesellschaft, der nicht zuerst fordert, sondern gibt. Zentral sei, dass die praktische Verbesserung von Lebensverhältnissen erreicht werde, weil die Idee von den Bürgern selbst getragen werde.

Mit einem Tablegespräch zwischen dem Moderator des Symposiums, Ranga Yogeshwar und dem Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan, begann die Thematisierung der Bedeutung des Politischen für die „Neue Zivilgesellschaft“. Sridharan machte unmissverständlich deutlich, dass die Kommunen zunehmend mehr das soziale Engagement ihrer Bürger brauchen. Die Politik müsse deshalb frühzeitig auf private Organisationen zugehen und mit ihnen nach gemeinsamen Lösungen für die sozialen Fragen vor Ort suchen. Er unterstrich dabei, wie bedeutsam es sei, dass die Politik dem privaten Engagement mit Wertschätzung und Unterstützung begegne. Oberbürgermeister Sridharan hob dabei mehrfach hervor, dass die Bürgerstiftung Rheinviertel für Bonn und viele andere Kommunen als Vorbild dafür anzusehen sei, wie man Menschen für die Lösung sozialer Probleme aktiv gewinnen und einbinden könne.

Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble stellte seinen Vortrag die These voraus, dass Krisen Fortschrittstreiber seien. Krisen konfrontierten die Bürger mit Problemen und Herausforderungen, führten aber zumeist zu neuen Lösungen und einem intensiveren Zusammenhalt der Bürger untereinander. Der Bundesminister führte das besonders am Beispiel Europas aus. Europa sei seiner Auffassung nach nicht die Ursache, sondern die Lösung der gegenwärtigen Krisen. Schäuble zeigte sich fest davon überzeugt, dass die Krisen, genannt wurden die Finanzkrise, die Griechenlandkrise und die Flüchtlingskrise, Europa nach vorne bringen und den Willen zur Einigung stärken würden. Mit Blick auf die „Neue Zivilgesellschaft“ betonte er, dass in unsicherer gesellschaftlicher Lage besonders bürgerschaftliches Engagement gefordert sei. Wenn Menschen merkten, dass sie gebraucht würden, würden sie sich aktivieren und dem Staat zu Seite stehen. Die Hilfsbereitschaft der Menschen sei groß, wenn man sie anspreche und fördere. Der Gast aus Berlin hob in diesem Kontext wiederholt hervor, dass er zum Jubiläum der Bürgerstiftung Rheinviertel gekommen sei, weil sich hier Menschen nicht auf den Staat verlassen, sondern ihre Probleme selbst anpacken und sich persönlich im sozialen Umfeld engagieren.

Im Anschluss sprach Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, über die soziale Verantwortung in Unternehmen und die Bedeutung der Wirtschaft für die „Neue Zivilgesellschaft“. Am Beispiel der Deutschen Telekom machte der deutlich, wie wichtig die Wertschöpfung für ein Unternehmen ist und welche Relevanz Werte und Ethos für einen erfolgreich operierenden Konzern besitzen. Ein Unternehmen präge die Gesellschaft durch die Wertigkeit ihrer Produkte, sie nehme mit ihrer Unternehmensphilosophie Einfluss auf die Haltung ihrer Mitarbeiter und unterstütze durch Investitionen in soziale Aktivitäten die Wertentwicklung in der Gesellschaft. Dabei sei ein wichtiges Credo der Wirtschaft, dass sich Werte nur mit Werten schaffen ließen.

Abgeschlossen wurde das spannende und niveauvolle Symposium mit einer von dem sehr kompetenten und engagierten Moderator Ranga Yogheswar geleiteten Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Udo Di Fabio, Timotheus Höttges und Dr. Wolfgang Picken. Die Diskussionsteilnehmer stellten heraus, dass nur im Miteinander von Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien die Idee der Neuen Zivilgesellschaft eine Chance hat. Besonders wurde dabei betont, dass bei allem vermeintlichen Fortschritt und einer zunehmenden Digitalisierung hinreichend der Mensch im Blick bleiben muss.

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Medienwerkstatt Bonn, Kreuz & Quer am 22. November 2015

Radiobeitrag zum Symposium „Neue Zivilgesellschaft – Mit Einander Gestalten“