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„Was dich trägt“

Von Leonardobrücken, selbstgebauten Flössen sowie kleinen und großen Helden

„Super Wochenende“, „tolle Gespräche“ oder „Zeit zum Entschleunigen“ – das waren nur einige der Kommentare der 67 Teilnehmer, die zum Abschluss des Vater-Kind-Wochenendes vom 27. bis 29. Mai 2016 am Rursee in Woffelsbach gefallen sind.

Die Tour richtete sich an alle Väter mit ihren Kindern ab der Erstkommunion (oder eben ab der dritten Klasse). Das Motto des Wochenendes „Was dich trägt“ war durchgehend im gesamten Ablauf integriert. Die „kleinen Helden“ konnten gemeinsam mit den Vätern aus Regentonnen, Seilen und Holzlatten die Erfahrung machen, dass es viel gemeinsame Kraft und Anstrengung bedurfte ein Floss zu bauen, dass auch den Anspruch hatte nicht unterzugehen. Dabei stellten bereits die unterschiedlichen Bauweisen der Flöße ein Synonym für unterschiedliche Lebensmodelle und -ansichten der Einzelnen dar, ebenso wie die unterschiedliche Tragfähigkeit der entstandenen Gefährte. Das Kentern, Auseinanderbrechen und Eintauchen in das noch sehr frische Seewasser wurde entsprechend unter Gelächter, aber ohne Schadenfreude von den Beobachtern kommentiert.

Die Kinder, die zeitweise durch verschiedene Jugendleiter betreut wurden, waren vollständig damit beschäftigt zu überlegen, welchen „Freizeitspaß“ man als nächstes in Anspruch nehmen sollte. An dieser Stelle möchte man fast schon vom bisher unbekannten Phänomen des „Spasstresses“ sprechen. Intensive Gespräche über die Rolle und das Selbstverständnis des Vaterdaseins rundeten das gesamte Programm ab. Für viele Väter wird es wahrscheinlich das erste Mal gewesen sein, sich über eine erst einmal einfach klingende, aber dann doch sehr komplexe Frage ausgetauscht zu haben. Lagerfeuer, Grillabend – auch das fehlte nicht. Wem die „Brücke“ zum Motto „Was dich trägt“ gefehlt hatte, wurde auch nicht enttäuscht. Bei Wikipedia steht unter dem Suchbegriff „Leonardobrücke“: „Die Leonardobrücke ist eine Bogenkonstruktion, die erstmals in Form einer Skizze von dem italienischen Renaissancekünstler und Erfinder Leonardo da Vinci dokumentiert wurde. (…) So stützen sich die Bauteile durch geschickte Verschränkung gegenseitig. Fixiermittel wie Dübel, Schrauben, Nägel oder Seile sind nicht nötig.“ Für alle an diesem Wochenende war diese Brücke aber mehr als nur in sich verschränktes Holz – nämlich ein anfassbares und reales Zeichen tragender Materie. Da war der Weg nicht weit für die Idee, aus diesem wunderbaren Zeichen menschlichen Einfallsreichtums einen Altar zu machen. Kaum war die Idee in der Welt, wurde auch schon die Abschlusspredigt von einer überwaltigenden See- und Naturkulisse im Freien durch den eigens angereisten Kaplan Martin Reimer gehalten. Er verglich den Aufbau und das Funktionieren einer Familie mit dem eines Floßes , und die Luft in den Fässern, die einem Floß erst den nötigen Auftrieb gibt, mit dem heiligen Geist der Dreieinigkeit, der die Familien leitet und immer wieder stützt.

Die Abschlussfrage „Trägt das, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben?“ konnten alle bejahen. Über eines waren sich alle einig: Markus Vilain mit seiner Übersicht, Erfahrung, seinem maßvollen und bestimmten Umgang hatte maßgeblichen Anteil an diesem Wochenende. Er wird uns sehr fehlen …

Wahid Samimy und Georg Wagemann